Bioabfall

Die im Landkreis Fulda gesammelten Bioabfälle wurden bis Ende 2012 in einer Kompostierungsanlage im thüringischen Otzbach verarbeitet. Diese Anlage arbeitete nach einem speziellen Verfahren der sogenannten "Boxenkompostierung".
In der Kompostanlage laufen im Prinzip die gleichen biologischen Vorgänge wie auf dem heimischen Komposthaufen ab, nur in größerem Maßstab und mit regelmäßiger bzw. intensiverer Betreuung.
Damit Bakterien und Pilze die organischen Materialien zersetzen und in Humus umwandeln können, sind auch hier Sauerstoff, Feuchtigkeit, Nährstoffe und Wärme von großer Bedeutung.

Denken Sie daran: Nur eine sorgfältige Trennung und Sammlung von Bioabfällen ermöglicht auch die Herstellung hochwertiger Komposte!

Am Anfang der Kompostierung steht die technische Aufbereitung der Rohstoffe.
Zunächst müssen alle Störstoffe aus den organischen Rohstoffen aussotiert werden. Danach wird das Material abgesiebt, zerkleinert und in einer Rottetrommel nochmals gründlich vermischt ("homogenisiert").

  1. "Intensivrotte"
    Die aufbereiteten Kompostrohstoffe werden für ca. 3 Wochen in eine geschlossene Box mit kontrollierter Be- bzw. Entlüftung und Be- bzw. Entwässerung gegeben. Dort zersetzen Bakterien und Pilze - genau wie in einem Komposthaufen - die organischen Materialien und wandeln sie in Humus um.
    Während der Intensivrotte entwickeln sich Temperaturen bis über 75 Grad, so dass Keime und Unkrautsamen abgetötet werden ("Hygienisierung").
  2. "Nachrotte"
    In der an die Intensivrotte anschließenden Nachrottephase wird der Kompost auf befestigten und überdachten Flächen auf bis zu 2 Meter hohe Mieten aufgesetzt. Während der folgenden 8 - 12 Wochen kann der Kompost reifen. Mit einem speziellen Gerät ("Tafelmietenumsetzgerät") wird er jede Woche umgesetzt.

Nun wird der fertige Kompost nachgereinigt, überprüft, gesiebt und zur Verwertung abgegeben. Kompost kann in der Landwirtschaft, im Landschaftsbau oder im Hausgarten verwendet werden.

Kompost hat viele Vorteile:

  • er verbessert die Bodenstruktur
  • er speichert die Feuchtigkeit und reguliert den Wasserhaushalt des Bodens
  • er enthält viele Nährstoffe und ersetzt Kunstdünger
  • er wirkt der Versauerung des Bodens entgegen
  • der Einsatz von Kompost statt Torf verhindert die weitere Zerstörung von Moorlandschaften

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Bilder: "Biothan GmbH"

(Wenn Sie mit der Maus über die einzelnen Anlagenteile auf dem Bild fahren und darauf klicken, erhalten Sie weitere Informationen zu den einzelnen Anlagenteilen.)


Bisher wurden die Bioabfälle aus der Bio-Tonne in einem herkömmlichen Verfahren kompostiert. So blieben die Nährstoffe zwar für den Naturkreislauf erhalten, die enthaltene Energie jedoch blieb ungenutzt. Seit Anfang 2013 werden die Bioabfälle in einem innovativen Verfahren besonders hochwertig und effizient verwertet. Am Finkenberg in Kleinlüder hat die Biothan GmbH, ein Tochterunternehmen der RhönEnergie Fulda GmbH, dazu eine neuartige, mehrstufige Bioerdgas-Anlage gebaut.

In der ersten Anlagenstufe („Nassvergärung“) werden pro Jahr 11.000 t Gülle und 21.000 t Lebensmittelabfälle vergoren. Die zweite Stufe („Trockenvergärung“) verarbeitet Bioabfälle aus der Bio-Tonne und organische Gewerbeabfälle (rd. 30.000 t pro Jahr).

Bei der Vergärung entsteht unter Luftabschluss mit Hilfe von Mikroorganismen Biogas. In vielen Anlagen wird dieses verstromt. Oft kann die anfallende Wärme aber nicht vollständig genutzt werden. In der Biothan-Anlage wird das Biogas in einem besonderen Verfahren zu Bio-Erdgas veredelt. Dazu entzieht man ihm Kohlendioxid, Wasser und Schwefel und hebt den Anteil an brennbarem Methan auf über 95 % an. So entstehen jährlich rund 47 Millionen Kilowattstunden Bio-Erdgas, die in das Erdgasnetz der RhönEnergie Osthessen eingespeist werden (entspricht rechnerisch dem Verbrauch von rund 2.400 Vier-Personen-Haushalten).

Das Bio-Erdgas von Biothan entsteht ausschließlich aus Abfallstoffen, es wird keine landwirtschaftliche Nutzfläche für nachwachsende Rohstoffe benötigt: ein wichtiger Schritt zu mehr Unabhängigkeit von importiertem Erdgas und ein regionaler Beitrag zur regenerativen Energieerzeugung.

Die verbleibenden Gärreste fließen als geruchsarmer Flüssigdünger in die Landwirtschaft, so dass auch die Nährstoffe dem Naturkreislauf erhalten bleiben. Feste Gärreste aus der Trockenvergärung kommen nach einer Kompostierung als Kompost in der Landwirtschaft oder im Garten-/Landschaftsbau zum Einsatz.

 

 

In der modernen Abfallwirtschaft haben Eigenkompostierer eine große Bedeutung. Durch die Kompostierung von Abfällen betreiben sie eine sinnvolle Wiederverwertung und tragen so zur Verringerung der Abfallmenge bei.

Jedoch können in vielen Fällen nicht alle kompostierfähigen Stoffe auf dem heimischen Komposthaufen verwertet werden. Probleme bereiten insbesondere Speisereste, Unkräuter und große Mengen Gras- und Strauchschnitt. Solche Abfälle können problemlos über die Bio-Tonne verwertet werden. Beide Möglichkeiten der Kompostierung stehen somit nicht im Gegensatz zueinander, sondern ergänzen sich.

Tipps

  1. Legen Sie den Komposthaufen immer auf erdigem Boden an und nicht etwa auf einer Kiesschicht oder auf Platten. Regenwürmer und andere Kleintiere können so aus dem Boden in den Komposthaufen kriechen und das organische Material zersetzen. Auf diese Weise beugen Sie auch einem Nässestau im Kompost vor.
  2. Zerkleinern Sie Ihre Gartenabfälle. Dies bringt den Rotteprozeß schneller in Gang, speichert Feuchtigkeit und verkürzt so die Verrottungszeit. Beim Aufsetzen des Kompostes fängt man am besten mit einer Lage aus zerkleinerten Zweigen an. Dann nach und nach die anderen Materialien schichtweise zugeben.
  3. Kompost benötigt Luft. Verwenden Sie deshalb keine geschlossenen Behälter oder Kompostgruben. Das gründliche Vermischen der einzelnen Materialien fördert die notwendige Durchlüftung. Kleinere Komposthaufen, die richtig aufgesetzt sind, müssen nicht unbedingt umgesetzt werden. Um eine gleichmäßige Durchfeuchtung und Durchmischung zu erreichen, ist dies aber empfehlenswert. Bei größeren Komposthaufen ist aber ein Umsetzen unbedingt erforderlich.
  4. Legen Sie den Komposthaufen nach Möglichkeit an einer windgeschützten Stelle im Schatten oder Halbschatten an. So wird ein Austrocknen des Kompostes verhindert. Hecken sind nicht nur ein schöner Sichtschutz, sie halten gleichzeitig auch Wind ab.
  5. Für einen guten Rotteprozess ist ausreichend Feuchtigkeit erforderlich, allerdings darf es auch nicht zu nass sein. Achten Sie auf die richtige Feuchtigkeit. Hierbei hilft Ihnen ein einfacher Test: Kompostmaterial, das mit der Hand zusammengepreßt wird, darf nicht tropfen, die Handfläche muss aber feucht sein.
  6. Speisereste, die Tiere anlocken könnten, immer gut mit Erde oder anderem Kompostmaterial bedecken. Zusatzstoffe und Verrottungshilfen sind meist überflüssig. Um den Rottevorgang zu beschleunigen, können ein paar Schaufeln fertiger Kompost untergemischt werden. Den gleichen Zweck erfüllen im Handel erhältliche Kompost-Starter.  Die Dauer des Rotteprozesses hängt von Pflege, Material und Größe des Komposthaufens ab. Als Faustregel gilt, dass bei otimaler Pflege der Kompost nach rund sechs Monaten durchgerottet ist.